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Hilfe! Ich bin Führungskraft und keiner folgt mir. - Teil 1

Kennen Sie dieses Gefühl? Das Gefühl der Ratlosigkeit und Ohnmacht? Wenn Sie merken, dass die eigenen Mitarbeiter nicht wirklich hinter Ihnen stehen und nur 'Dienst nach Vorschrift' machen? Wenn Sie ständig gegen Widerstände ankämpfen müssen? Wenn Sie plötzlich Druck von Ihrem Chef kriegen, weil Ihre Abteilung 'nicht performt' und die Kollegen auf Ihrer Führungsebene sich über Ihre Mitarbeiter beschweren?

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Sie waren über mehrere Jahre erfolgreiche und geschätzte Fachkraft im Unternehmen und auf Ihrem Gebiet wirklich gut. Als dann Ihr Chef in Rente ging, war es nahe liegend und logisch, dass Sie befördert werden und seine Stelle übernehmen. Voller Elan, Stolz und mit viel Rückenwind war dieser Karriereschritt für Sie selbstverständlich und so stand von einem Tag auf den anderen in Ihrer Stellenbeschreibung der Satz "Verantwortlich für die disziplinarische und operative Führung der Abteilung XYZ", oder so ähnlich.

 

 

Doch was bedeutet das eigentlich? Damit hatten Sie sich damals nicht beschäftigt und darauf wurden Sie auch nicht vorbereitet, ansonsten würden Sie sich jetzt nicht in dieser Sackgasse befinden.

 

Die 6 + 3 Rollen einer Führungskraft

 

Jeder von uns hat in seinem Leben unterschiedliche Rollen inne, je nachdem in welchem Kontext wir uns bewegen, mit welchen Menschen wir zusammen sind und was das Ziel des momentanen Handelns ist. Mehr oder weniger intuitiv wechseln wir diese Rollen automatisch. Das haben wir jahrelang geübt.

Mit dem Schritt vom Mitarbeiter zur Führungskraft müssen wir plötzlich 6 neue Rollen ausfüllen, die wir im schlechtesten Fall bisher so noch nicht gelebt haben. Bezogen auf das eigene Team sind das:

  1. Moderator und Kommunikator
  2. Fachmann und Trainer
  3. Coach und Mentor
  4. Koordinator und Kontrolleur
  5. Vorgesetzter
  6. Unternehmer

Die 3 weiteren Rollen kennen Sie bereits, nur dass sich mit der Entwicklung hin zur Führungskraft die Bezugspersonen und die Sichtbarkeit ändern. Das sind die Rollen als

  1. Mitarbeiter (des neuen Chefs)
  2. Kollege (der anderen Führungskräfte der selben Ebene)
  3. Vorbild (für die eigenen Mitarbeiter)

 

In diesem ersten Teil beleuchte ich nun die ersten 3 Rollen einer Führungskraft.

 

1. Moderator und Kommunikator

 

In der Rolle des Moderators entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter zu einem Team. Das machen Sie im Wesentlichen, indem Sie gemeinschaftliche Erlebnisse schaffen, die die Identifikation des einzelnen mit der Gruppe stärken. Das können gemeinsame Workshops sein, bei denen Lösungen erarbeitet werden, oder regelmäßige Informationsrunden, bei denen Sie Informationen aus der Firma oder anderen Abteilungen teilen. Auch das gemeinsame Erarbeiten von Abteilungszielen für die nächsten Jahre schafft eine tiefe Verbindung und Loyalität jedes Einzelnen mit der Abteilung.

 

Führung ist zu 90% Kommunikation.

 

Denn Kommunikation sorgt dafür, dass Mitarbeiter sich gesehen, gehört und angeschlossen fühlen. Dies sind menschliche Grundbedürfnisse, die uns Sicherheit geben.

Bei der Kommunikation ist es wichtig für die Motivation Ihrer Mitarbeiter, dass Sie als Führungskraft ein gesundes Maß an Optimismus ausstrahlen. Und natürlich fördert auch das Kennenlernen auf unterschiedlichen persönlichen Ebenen ein vertrauensvolles Miteinander. Auch hierfür müssen Sie als Führungskraft Raum und Gelegenheiten schaffen.

 

Eine besondere Bedeutung fällt der Lösung von Konflikten innerhalb des Teams zu. Ein dauerhafter Konflikt schwächt nicht nur die Energie der Konfliktparteien, sondern beeinträchtigt auch in einem erheblichen Maße die Motivation und damit die Leistungsfähigkeit Ihres Teams. Hier müssen Sie als Führungskraft frühzeitig eingreifen und den Beteiligten helfen, ihre Konflikte aufzulösen. Dabei ist eine allparteiliche Haltung Ihrerseits von immenser Bedeutung, die allen Konfliktparteien genügend Raum gibt, ihre individuelle Wahrheit des Konfliktes zu äußern. Nur wer sich gehört und gesehen fühlt, ist dazu bereit, nachhaltig sein Verhalten zu ändern.

 

 2. Fachmann und Trainer

 

Als Fachmann auf einem Gebiet bringen Sie als Führungskraft ihr Fachwissen im Wesentlichen zur Problemlösung in die Arbeitsprozesse mit ein, also immer dann, wenn Ihre Mitarbeiter nicht mehr weiterkommen. Ziel Ihrer Arbeit muss es dabei sein, Ihre Mitarbeiter hin zu einem selbstständigen Arbeiten zu führen, indem Sie Wissen transferieren und Kompetenzen und Verantwortung an Ihre Mitarbeiter abgeben. Sie agieren also im Wesentlichen als Trainer, der sein Fachwissen zur Effizienzsteigerung einbringt. Wichtig dabei ist, dass Sie das vorhandenen Wissen Ihrer Mitarbeiter würdigen!

 

Gerade die Rolle des Trainers fällt jungen Führungskräften oft schwer. Denn sie kommen aus einer Rolle, in der gerade ihr Expertenwissen sie so erfolgreich gemacht hat. Das können sie und darin sind sie die Besten. Nun müssen sie Wissen abgeben und Weiterbildung fördern, damit die eigenen Mitarbeiter fachlich besser werden, als sie selber. Damit muss das eigene Ego der Führungskraft erstmal fertig werden, denn eine (bisher) wesentliche Grundlage ihres Selbstwertgefühls fällt weg.

 

Die Rolle des Fachmanns ist für die Mitarbeiter dennoch immens wichtig, weil sie damit sofortige Hilfe verbinden bei allen Problemen, die sie selber (scheinbar) nicht lösen können und die sie am Tagesgeschäft hindern. 

 

In dieser Rolle müssen Sie als Führungskraft zeitnah Hilfsbereitschaft zeigen, Sachverhalte verständlich erklären können und Hindernisse aus dem Weg räumen.

 

3. Coach und Mentor

 

In der Rolle des Coachs oder Mentors haben Sie die individuelle Entwicklung der einzelnen Mitarbeiter im Blick. Sie erkennen die individuellen Entwicklungspotentiale Ihrer Mitarbeiter im persönlichen Bereich und helfen ihnen, diese zu entdecken und zu entfalten. Ihre Mitarbeiter erhalten regelmäßig Feedback von Ihnen, idealer Weise bei guter Leistung entsprechendes Lob. Wenn sie als Coach agieren, erlebt Ihr Mitarbeiter unmittelbar, dass er gesehen und gewertschätzt wird. Das ist eine wesentliche Grundlage für Loyalität.

 

Um zu verstehen, was Coaching und Persönlichkeitsentwicklung vom Kern her bedeutet, hilft eine Aussage des großen Bildhauers Michelangelo, der die David-Skulptur aus einem Mamorblock erschaffen hat. Er soll gesagt haben, dass er beim Anblick des quadratischen Mamorblocks die Davidskulptur im Inneren des Blocks bereits sehen konnte und 'nur' der Skultpur helfen musste, sich von allen begrenzenden und überflüssigen Gesteinsschichten zu befreien.

 

Voraussetzung für Entwicklung und Lernen ist eine vertrauensvolle Beziehung. Diese müssen Sie sich als Führungskraft bei Ihren Mitarbeitern erarbeiten, indem sie Menschlichkeit und Empathie zeigen, Ihren Mitarbeitern auf Augenhöhe und wertschätzend begegnen, ihre Leistung anerkennen und verlässlich handeln.

 

Wichtig ist hierbei, dass die Rolle des Coachs, gerade weil es um die individuelle Weiterentwicklung von Menschen geht, bewusst eingenommen wird und dafür ausreichend Zeit und Ruhe vorhanden ist, z.B. in Form wiederkehrender Entwicklungsgespräche.

 

In dieser Rolle sind Eigenschaften wie Empathie, Neugierde, „sich auf den anderen einstellen“, „die richtigen Fragen stellen“ und „Zuhören können“ wichtig.


  

An diese Stelle endet der erste Teil meines Blogs "Hilfe! Ich bin Führungskraft und keiner folgt mir".

 

In dem wir uns der Rollen, die wir als Führungskraft ausfüllen müssen, bewusst werden, haben wir den ersten Schritt gemacht hin zu einer guten Führungskraft. Denn Bewusstsein schafft Handlungsoptionen. Sie entscheiden bewusst, wann Sie welche Rolle einnehmen und welchen Effekt Sie damit erzielen wollen. Sie fangen wieder an, sich an das Steuer Ihres Autos 'Abteilung' zu setzen. Und Sie werden sehen, dass Ihre Mitarbeiter sich nach und nach bereitwillig und motiviert auf den Beifahrersitz oder die Rückbank Ihres Autos 'Abteilung' setzen werden. Und verlangen Sie nicht zu viel von sich selbst und Ihren Mitarbeitern. Veränderungen brauchen Zeit und Vertrauen ist eine Pflanze, die es regelmäßig zu pflegen gilt.

 

Im zweiten Teil meines Blogs werde ich mich mit den verbleibenden diesen 3 Rollen beschäftigen:

  1. Koordinator und Kontrolleur
  2. Vorgesetzter
  3. Unternehmer

Hier geht es zum 2. Teil.

 

Meine Erkenntnisse, die ich in diesem Blog veröffentliche, basieren auf meinen eigenen Erfahrungen als Führungskraft in den letzten 10 Jahren, sowie meinen Erfahrungen als Mitarbeiter unterschiedlicher Chefs in den letzten 20 Jahren.

Hinzu kommen meine Kenntnisse aus meinen Ausbildungen in NLP (Neurolinguistische Programmierung) hinsichtlich Kommunikation, Beziehungen und darüber, wie unser Gehirn funktioniert.

 

Ihr Ralph Heymann

 

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