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Hilfe! Ich bin Führungskraft und keiner folgt mir. - Teil 2

Vom Mitarbeiter zur Führungskraft. - Schon viele haben sich dieser Herausforderung gestellt. Einige haben sie gemeistert und manche sind daran gescheitert. Gescheitert, weil sie mit der Übernahme von Führungsverantwortung nicht hinreichend auf die komplexen Anforderungen einer Führungskraft vorbereitet wurden oder sich selber vorbereitet haben. 

 

Ein Weg, sich der Komplexität von Führung  zu nähern, ist die Betrachtung der unterschiedlichen Rollen, die eine Führungskraft innehat. Genauso, wie ein Schauspieler seine Rollen einstudiert und sie sich zu eigen macht, muss auch eine Führungskraft in seine neuen Rollen hineinwachsen, diese bewusst leben und bewusst von der einen in die andere Rolle hineinschlüpfen können, je nach Situation und Kontext. Und das bedarf viel Übung.

 

Im ersten Teil meines Blogs (hier nachzulesen) habe ich die 3 Rollen 'Moderator und Kommunikator', 'Fachmann und Trainer' und 'Coach und Mentor' näher betrachtet.

 

In diesem 2. Teil geht es nun um die Rollen 'Koordinator und Kontrolleur', 'Unternehmer' und 'Vorgesetzter'. Viel Freude beim Lesen!

 

4. Koordinator und Kontrolleur

 

In dieser Rolle hat die Führungskraft die Abläufe im Blick und kümmert sich um die allgemeine Organisation der Abteilung. Sie pflegt die Strukturen innerhalb der Abteilung, ist verantwortlich, dass Prozesse (neu)gestaltet werden und achtet darauf, dass Regeln und Standards eingehalten werden. Sie prüft die Arbeitsprozesse auf Effektivität (" Machen wir die richtigen Dinge?") und auf Effizienz ("Machen wir die Dinge richtig?").

 

Die Anpassung von Abläufen oder die Neueinführung von Aufgaben geschieht in Projekten, die die Führungskraft gemeinsam mit den Mitarbeitern aufsetzt, wobei die Führungskraft als Project-Owner für die termingerechte und vollständige Umsetzung des Projektziels verantwortlich ist.

Bei der Durchführung der Projekte kann es hilfreich sein, dass die Führungskraft in die Rolle des Moderators schlüpft, um die Mitarbeiter bei der Erarbeitung der Projektziele zu unterstützen. (siehe Teil 1 dieses Blogs)

 

Außerdem kümmert sich die Führungskraft um alle organisatorischen Belange wie z.B. Budgeterstellung und -verteilung, Anschaffung von Arbeitsmitteln, Vertretungsregelungen und Urlaubsplanung.

 

Ähnlich wie die Rolle des Fachmanns ist die Rolle des Koordinators eine wichtige Rolle für die Mitarbeiter, weil sie ihnen Sicherheit, Berechenbarkeit und Verlässlichkeit gibt. 

 

5. Unternehmer

 

Als Unternehmer muss die Führungskraft die wirtschaftlichen Belange der eigenen Abteilung und die der ganzen Firma im Blick haben. Dazu gehört, dass Entscheidungen auch immer unter wirtschaftlichen Aspekten abgewogen werden. So kann es Entscheidungen geben, die dem Teaminteresse entgegenstreben, aber für den Unternehmenserfolg unabdingbar sind. Eine Führungskraft zu sein, bedeutet daher auch flexibel zu sein, Änderungen willkommen zu heißen und dies auch so den Mitarbeitern zu kommunizieren.

 

Und als Unternehmer muss eine Führungskraft immer den Blick in die Zukunft richten und mögliche Veränderungen oder Anpassungen frühzeitig erkennen und vorbereiten. Dabei stärkt es das Gruppengefühl, wenn die Mitarbeiter in Form von Workshops in solche Strategie-Überlegungen einbezogen werden.

 

Gelegentlich müssen Entscheidungen auch bei Widerstreben der Mitarbeiter durchgesetzt werden. Daher sollte die Führungskraft nicht zögerlich auftreten und gegebenenfalls den Entzug von Anerkennung vonseiten der Mitarbeiter aushalten können.

 

Auch sollte die Führungskraft in der Lage sein, unsichere Situationen auszuhalten, da es für gewöhnlich unmöglich ist, sämtliche für eine Entscheidung relevanten Informationen zu berücksichtigen.

 

 

6. Vorgesetzter

 

Als Vorgesetzter trägt die Führungskraft vom ersten Tag an die Verantwortung für die Leistung seiner Mitarbeiter. Dies ist für den Mitarbeiter, der gerade Führungskraft geworden ist, in aller Regel die schwierigst Rolle, da sie relativ schnell erlernt und gelebt werden muss. Hier springt man quasi sofort ins 'kalte Wasser'. Denn mit einem Mal ist die Führungskraft nicht nur für die eigenen Fehler (und Erfolge) verantwortlich, sonder auch für die Fehler (und Erfolge) aller seiner Mitarbeiter, obwohl sie ja selber nichts gemacht hat. Hier ist es entscheidend, dass die Führungskraft eine positive Fehlerkultur vorlebt und etabliert, in der Fehler als wichtige Entwicklungsschritte für Mitarbeiter gesehen und genutzt werden und nicht als Möglichkeit, Mitarbeitern ihre Defizite vorzuwerfen.

 

Als Vorgesetzter ist die Führungskraft auch für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter verantwortlich. Das mag bei Büroarbeitsplätzen noch überschaubar sein. Wenn die Mitarbeiter aber z.B. in einer Produktion arbeiten oder im technischen Außendienst, ist das Risiko eines Arbeitsunfalls deutlich höher. Hier ist die Führungskraft verpflichtet, dafür zu sorgen, dass alle Vorgaben der behördlichen Arbeitssicherheitsbestimmungen umgesetzt und eingehalten werden. Denn die Führungskraft haftet im Zweifel persönlich für Arbeitsunfälle ihrer  Mitarbeiter.

 

Die Führungskraft ist den Mitarbeitern gegenüber weisungsbefugt, das heißt sie kann und muss Anweisungen geben, die die Mitarbeiter zu befolgen haben. Hier sind Eigenschaften wie Klarheit, Durchsetzungsvermögen, Objektivität, offene Kommunikation und Verbindlichkeit für die Außenwirkung als Vorgesetzter wichtig.

 

In Abstimmung und/oder Zusammenarbeit mit der Personalabteilung führt sie Kritik, Ermahnungs- und Abmahnungs-Gespräche, stellt Mitarbeiter ein und entlässt sie.

Und als Vorgesetzter vereinbart die Führungskraft Ziele mit seinen Mitarbeitern und kontrolliert deren Einhaltung.

 


 

An dieser Stelle endet der zweite Teil meines Blogs "Hilfe! Ich bin Führungskraft und keiner folgt mir."

Spätestens nach diesem zweiten Teil wird, glaube ich, klar, wie komplex die Aufgabe einer Führungskraft ist und welche vielfältigen Kompetenzen und Kenntnisse erforderlich sind. Diese müssen erlernt und geübt werden und das braucht Zeit. Wie heißt es so schön:

"Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht."

Es muss aber intensiv gepflegt und gehegt werden, damit es sich gut entwickelt und kräftige Wurzeln schlägt. Hierbei unterstütze ich gerne als Coach und Trainer.

 

Im dritten Teil werde ich mich den drei zusätzlichen Rollen 'Kollege', 'Mitarbeiter' und 'Vorbild' widmen. 

Als kleinen Vorgeschmack findet Ihr unten die schematische Aufstellung der Rollen, die eine Führungskraft inne hat.

 

Hier geht es zum 3. Teil.

 

Ich freue mich sehr über Anregungen, Kritik und neue Impulse zu diesem Thema.

 

Meine Erkenntnisse, die ich in diesem Blog veröffentliche, basieren auf meinen eigenen Erfahrungen als Führungskraft in den letzten 10 Jahren, sowie meinen Erfahrungen als Mitarbeiter unterschiedlicher Chefs in den letzten 20 Jahren.

Hinzu kommen meine Kenntnisse aus meinen Ausbildungen in NLP (Neurolinguistische Programmierung) hinsichtlich Kommunikation, Beziehungen und darüber, wie unser Gehirn funktioniert.

 

Ihr Ralph Heymann

 

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