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Agile NewWork Taylorismus - Ja was denn nun?

Wer sich heutzutage mit den Themen 'Entwicklung von Führung und Organisation' auseinandersetzt, kommt unweigerlich an den folgenden drei Modellen vorbei: 

  1. Taylorismus
  2. Agilität
  3. New Work 

 

Wofür stehen die Modelle?

 

Der sogenannte Taylorismus ist das 'älteste' der 3 Modelle. Er wurde von dem US Amerikaner Frederick Winslow Taylor zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts erdacht und hat als Grundprinzip, dass es für jeden Ablauf in einer Firma DEN EINEN besten Weg gibt. Diesen Weg gilt es von Experten zu finden und detailliert zu beschreiben. Dieser Weg wird den Mitarbeitern dann als strikte Vorgabe vorgeschrieben und dessen Einhaltung stetig kontrolliert. Die Organisationsform des Taylorsimus ist streng hierarchisch. Damit wurden hocheffiziente Arbeitsabläufe in den Firmen geschaffen. Der Wirtschaftsaufschwung der letzten 50 Jahre basiert zu einem großen Teil auf diesen Prinzipien. Vom Mitarbeiter wurde erwartet, dass er beim Betreten der Firma sein Gehirn an der Pforte abgibt und nur noch nach Anweisung arbeitet.

Der Mensch als Maschine, die stetig die immer gleiche Arbeit hocheffizient verrichtet. - Das war das Menschenbild des Taylorismus.

 

Das Prinzip der Agilität kommt ursprünglich aus der Softwareentwicklung. 2001 wurden die 4 Grundprinzipien in einem Manifest veröffentlicht: 

  • Individuen und Interaktionen stehen über Prozessen und Werkzeugen
  • Funktionierende Software steht über einer umfassenden Dokumentation
  • Zusammenarbeit mit dem Kunden steht über der Vertragsverhandlung
  • Reagieren auf Veränderung steht über dem Befolgen eines Plans

Ziel war und ist es, den Entwicklungsprozess schneller und flexibler zu gestalten und von Anfang an den Kunden mit einzubeziehen, um Änderungswünsche möglichst schnell umsetzen zu können. Software wird in kleinen, iterativen Schritten entwickelt, sogenannten 'Sprints'. Nach jedem Entwicklungsschritt wird das Zwischenergebnis veröffentlicht und diskutiert, um danach den nächsten Entwicklungsschritt anzugehen. Mittlerweile wird Agilität auch in der Projektarbeit angewendet.

 

New Work ist eine Bewegung und ein Modewort, das der austroamerikanische Philosoph Frithjof Bergmann geprägt hat. Dahinter steckt ein ganzer Blumenstrauß an Methoden, Trends, Ideen und Vorstellungen, die sich alle um die Veränderungen unserer Arbeitswelt drehen. Unter New Work versammeln sich Begriffe wie Holocracy, Selbstorganisation und Selbstführung, Sinnstiftung, evolutionäre Organisation, und vieles mehr.

Das holländische Unternehmen Buurtzorg, über das ich in diesem Blogartikel geschrieben habe, ist ein Paradebeispiel für erfolgreiche Selbstorganisation eines Unternehmens (> 6.000 MA) im Sinne von New Work, welches wieder den eigentlichen Sinn des Unternehmens in den Mittelpunkt der täglichen Arbeit gerückt hat und ausschließlich auf die Selbstorganisation und Selbstverantwortung der Mitarbeiter baut.

Während Agilität heute 'nur' in einzelnen Teilbereichen eines Unternehmens angewendet wird, geht es bei New Work darum, sämtliche Abläufe, sowie die Organisation des Unternehmens in einem Maße neu zu definieren, dass der Kunde, der eigentliche Sinn des Unternehmens und die Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen.

 

Welcher davon ist nun der richtige Weg?

 

Alle und keiner - Es kommt (mal wieder) darauf an....

 

"Na toll!", werden Sie sich wahrscheinlich denken. "Das hilft mir ja jetzt mal gar nicht weiter...". Doch das tut es, denn jedes der 3 Modelle hat Inhalte und Schwerpunkte, die einem Unternehmen gut tun und solche, die ihm nicht gut tun. Welche das sind, hängt vom Unternehmen ab. Damit ist die Antwort auf diese Frage genauso individuell wie jedes Unternehmen und die Mitarbeiter individuell sind.

 

Oder kennen Sie DIE EINE Diät, mit der alle Menschen abnehmen oder DIE EINE Schulform, auf der alle Schüler gleich gut lernen? Ich nicht...

 

Was ist die Daseinsberechtigung eines Unternehmens in der freien Wirtschaft?

 

Ganz einfach gesprochen, muss ein Unternehmen in der freien Wirtschaft Geld verdienen, sprich die Einnahmen des Unternehmens müssen dauerhaft höher sein als die Ausgaben. Dann überlebt es auf dem Markt. Ist dies nicht der Fall  hat es keine Daseinsberechtigung und verschwindet vom Markt. Neben dem eigentlichen Geschäftsmodell des Unternehmens sind die Organisationsform und die Führungskultur entscheidende Faktoren für den wirtschaftlichen Erfolg. Und hier kommen die 3 Modelle mit ihren Kernelementen ins Spiel. 

 

Was sind die Kernelemente dieser drei Modelle?

 

Die große Errungenschaft des Taylorismus ist sicherlich der Gedanke der Standardisierung und das Streben nach Effizienz. Es gibt DEN EINEN richtigen Ablauf. Wenn dieser gefunden ist, macht es aus ökonomischer Sicht keinen Sinn, einen anderen Weg zu gehen. Das Toyota-Management-System und das Lean-Management haben diese Philosophie perfektioniert. Damit hilft dieses Kernelement des Taylorimus den Unternehmen, Kosten zu reduzieren. Und das hat einen positiven Einfluss auf ihren Gewinn.

Die Standardisierung ist aber auch für die Qualitätssicherung eines Unternehmens wichtig. Gerade produzierende Unternehmen sind häufig von ihren Kunden gezwungen, div. Management-System einzuführen, die regelmäßig auditiert werden. Diese Zertifizierungen sorgen dafür, dass immer ein und der selber Ablauf eingehalten wird, um z.B. ein bestimmtes Qualitätsniveau (ISO-9001) einzuhalten, oder für den effizienten Einsatz von Energie zu sorgen (ISO-140001) oder Arbeitsunfälle vermieden werden (OHSAS 18001).

Nicht mehr zeitgemäß ist sicherlich der Gedanke des Taylorismus, dass der Mensch wie ein Maschine zu behandeln ist und eigenes Denken und Ideen unerwünscht sind.

 

Mit dem Modell der Agilität finden zwei radikal neue Gedanken den Einzug in die Unternehmen:

Zum einen wird der Kunde von Anfang an in den Entwicklungsprozess eines neuen Produktes mit einbezogen. Er bestimmt mit, wie sich das Produkt entwickeln wird. Und zum anderen wird das Produkt von einem Mitarbeiter-Team gemeinsam in kleinen Schritten entwickelt, wobei jedes Teammitglied gleichberechtigt ist. Die Interaktion der einzelnen Individuen steht dabei im Vordergrund und löst das bisher gültige Top-Down-Prinzip hierarchischer Unternehmensformen ab.

 

Bei den Prinzipien, die sich unter dem Begriff New Work versammeln, wird die hierarchische Struktur eines Unternehmens komplett aufgelöst und statt dessen werden viele kleine eigenständige Satelliten-Organisationen gebildet. Diese Satelliten organisieren sich selber und sind für alle Aufgaben in ihrem Bereich verantwortlich. Zentrale Stab-Stellen wie z.B. eine Personalabteilung gibt es nicht mehr. Jeder Satellit kümmert sich selber um alle anstehenden Personalthemen. Damit baut New Work ganz stark auf die Selbstverantwortung der Mitarbeiter. Und New Work richtet den Fokus auf die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit in der Überzeugen, dass Mitarbeiter dann hoch motiviert und produktiv arbeiten, wenn sie in ihrer Arbeit einen Sinn sehen.

 

Wie finde ich nun die Elemente, die für meine Organisation die richtigen sind?

 

Um diese Frage beantworten zu können, müssen Sie für sich und für Ihr Unternehmen erst einmal klar haben, wo Sie heute stehen und wo Sie morgen hin wollen. Welchen Leidensdruck verspüren Sie heute und was muss sich in Ihrem Unternehmen wohin ändern?

 

Merken Sie, dass der Markt sich sehr schnell ändert und Ihre Organisation zu träge ist, um hinterher zu kommen? Dann sind Sie vielleicht gut beraten, sich an der einen oder anderen Stelle in Ihrem Unternehmen mit agilen Ideen und Methoden auseinanderzusetzen.

 

Laufen Ihnen die Mitarbeiter im Unternehmen weg, weil sie zu wenig Gestaltungsspielraum verspüren und sich nur als Nummer fühlen? Dann sind Sie vielleicht noch sehr in den Denkstrukturen des Taylorismus verfangen, in denen nur der Chef entscheidet und der Mitarbeiter als 'Arbeitsmaschine' angesehen wird, die Zeit gegen Geld tauscht. Hier könnte eine bewusste Hinwendung zu mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter hilfreich sein, ein Kernelement des 'New Work'.

 

Wie auch immer Sie Ihr Unternehmen oder Ihre Abteilung führen, eines ist sicher: Einfach MEHR vom Gleichen zu machen und von anderen zu fordern, erzeugt keine Verbesserung, sondern einfach nur MEHR vom Gleichen. Oder wie Albert Einstein gesagt hat: Man kann die Probleme nicht mit der gleichen Denkweise lösen, mit der sie entstanden sind.

 

Es erfordert Mut, altbekannte Ufer zu verlassen und sich auf eine Reise zu begehen, deren Ausgang ungewiss ist. Die Alternative ist, alles bei Alten zu belassen und damit früher oder später die Entscheidungshoheit aus den Händen zu geben. Es ist Ihre Entscheidung.

 

 

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